Leseprobe


Hier findest du Leseproben zu den Bänden meiner Seelen-Saga: "Seele aus Eis", "Seele aus Feuer" und "Seele aus Licht".

Seele aus Eis

Kapitel i: Licht und Schatten


Lena rannte durch einen schwach beleuchteten, endlosscheinenden Gang. Lediglich vereinzelte, grüne Lichter an der Decke wiesen ihr den Weg. Links und rechts konnte sie Umrisse von verschlossenen Türen erkennen – kurz kam ihr der Gedanke, sich zu verstecken, doch genauso schnell verwarf sie ihn wieder. Wegen der schwachen Beleuchtung wäre sie fast gegen eine Wand gerannt, als der breite Korridor plötzlich nach links abbog. Ihre Schritte hallten laut durch den leeren Flur. Zu laut, dachte sie. Diese Stille war unheimlich. Sie war viel angsteinflößender als die Schreie und der Lärm, gegen die Lena sich innerlich bereits gewappnet hatte.

Sie hörte, wie eine Tür aufgestoßen wurde, und erschauderte bei diesem Geräusch. Er ist frei. Panische Angst drückte gegen ihre Lunge und nahm ihr die Luft zum Atmen, während die schweren Schritte immer näher kamen. Das Brennen in ihrem Oberarm war für Lena kaum zu ertragen – mittlerweile war der Ärmel ihrer Bluse blutdurchtränkt. Trotz ihrer Verletzung versuchte sie, noch schneller zu rennen. Am Ende des Korridors bog sie ein weiteres Mal ab, diesmal nach rechts. Sie hatte es fast geschafft – sie konnte den rettenden Ausgang bereits sehen, doch nach nur wenigen Schritten bekam sie einen kräftigen Schlag in den Rücken. Die Wucht der Attacke schleuderte sie nach vorne. Bevor Lena es schaffte, sich wieder aufzurappeln, wurde sie unsanft auf den Rücken gedreht. Für einen kurzen Augenblick sah sie in die gefährlichen Augen ihres Angreifers, bevor alles von einem gleißenden Licht überflutet wurde, das Lena nicht nur die Sicht nahm, sondern auch einen unvorstellbaren Schmerz durch ihren Körper jagte. Ihr Schrei wurde von den Wänden zurückgeworfen und zerriss die Stille ...

Seele aus Feuer

Kapitel I: Sprung


 Erbarmungslos schlugen die Wellen über Lena zusammen – immer wieder wurde sie unter Wasser gedrückt. Sie wusste inzwischen nicht mehr, wo oben und wo unten war. Die Wassermenge war so gewaltig, dass Lena sie nicht zu kontrollieren vermochte, wie sehr sie sich auch anstrengte. Ein Wirbel aus weißen Luftblasen und dunklem Nass raubte ihr die Orientierung und langsam auch die Kraft.

Alles, was in diesem Moment zählte, war seine Hand, die Lena festhielt. Sie war sich sicher, solange er bei ihr war, würde alles gut werden. Zusammen könnten sie es schaffen. Wie durch ein Wunder waren sie noch nicht an einem der vielen Felsen aufgeschlagen. Nur, wie lange würden sie den eiskalten Wassermassen standhalten können? Sie merkte, wie ihr seine Finger langsam entglitten und verstärkte ihren Griff. Dieses Mal würde sie ihn nicht loslassen. Diesmal nicht.

Die Furcht davor, dass er sterben könnte, gab ihr die nötige Kraft, weiter gegen die Strömung anzukämpfen, aber das eisige Wasser war unerbittlich und zog sie mit sich fort. Ein plötzlicher Ruck und sie wurden auseinandergerissen. Seine Hand war verschwunden. Lenas klamme Finger griffen ins Leere, während sie lautlos seinen Namen schrie. Wasser schoss in ihre Lunge und beendete ihren aussichtslosen Kampf – die dunkelblaue Tiefe färbte sich pechschwarz ...

Seele aus Licht

Kapitel I: Überleben


Ein grüner und ein silberner Blitz erhellten die Ruinen eines zerstörten Tempels, als sie mit unvorstellbarer Geschwindigkeit aufeinander zurasten. Für den Bruchteil einer Sekunde verschmolzen sie am Nachthimmel zu einem wunderschönen, glühenden Gebilde, doch dann entluden sich die Attacken mit einer gewaltigen Wucht aneinander. Die Blitze tauchten die Umgebung in gleißendes Licht und drohten, die beiden Avindan, die sie erschaffen hatten, von den Beinen zu reißen.

Routiniert rammte Darian sein Schwert in die Erde und stemmte seine Füße in den Boden, als ihn die Druckwelle seiner eigenen Attacke traf. Das grelle Licht ließ seine dunklen Haare für einen Augenblick beinahe weiß erscheinen, in seinen braunen Augen tanzten Blitze. Die silberne Klinge seines Sastraschwertes zog einen tiefen Schnitt durch den Erdboden, seine Fersen gruben sich in den Untergrund und hinterließen Furchen in der aschebedeckten Erde, doch er hielt der Welle der Entladung stand.

Anders als Darian schaffte Lukas es nicht rechtzeitig, die runenverzierte Klinge seines Schwertes in der Erde zu versenken. Das scharfe Licht brannte sich in seine grünen Augen ein, bevor ihn die Wucht der Attacke von den Beinen riss. Er wurde einige Meter durch die Luft geschleudert, bis eine halb zerfallene Steinmauer seinen Flug abrupt stoppte.

Während Lukas sich nach seiner schmerzhaften Landung aufrappelte und sich nach seiner Waffe umsah, die er fallen gelassen hatte, war Darian schon bei ihm und holte mit seinem Schwert zum Hieb aus. Lukas brachte sich mit einem Sprung in Sicherheit, sodass Darians Klinge nur ein paar blonde Haarsträhnen erwischte ...